Jürgen Gruß---#---jgruss@t-online.de---#---73760 Ostfildern-Kemnat
.Unsere große Kaiserpfalz Unser vierter gemeinsamer Kultur- und Kulinarismusausflug der ehemaligen Realschulkameraden aus Stuttgart-Sillenbuch entstand nach meiner Vorbesichtigung und Planung mit dem Tourismusbüro (Sibylle Beck in erster Linie) im / ab Herbst 2009. Weniger das Themenfeld Wanderung oder Sport ging davon diesmal aus, sondern die Verbindung aus historischer Kulisse in diesen beiden Tagen mit Inhalten wie Natur, Erinnerungen, Genuss und Wohlgefühl. Die einstige Kaiserpfalz der Hohenstaufen steht hoch überm Neckar - mit ihrer berühmten, märchenhaften Stadtsilhouette zeigt sie einen nostalgischen Scherenschnitt gegen den Himmel, der sich termingerecht von einer Dauerdusche in eine weißblaue Sonnendomäne wandelte. Im Bereich der Erinnerungen stellten wir fest, dass wir immer mal an unsere Ausflüge mit den Lehrern, Sitzordnungen beim möglichen Spickzettel verteilen oder unsere musikalischen Vorlieben denken und längst der Status erreicht ist, um den Menschen um uns nicht nur stets zu dienen, sondern eher umgekehrt: Wir stellen eigene Vorlieben, Abstand und die Legitimation der Unterhaltung in den Mittelpunkt. Ebenso ist es im Bereich der Natur: Gekünstelte Romantik dient dazu, irgendeine Form der Harmonie aufzubauen. Sie ist aber keine Alternative für die uns ab heute wieder eingeholte Rationalität in Beruf, Haushalt oder Schule. Wir konnten mittels der Wimpfener Festspieltruppe oder des lockeren Kutschers „Marco vom Katzenbuckel“ erfahren wie es für ein paar Stunden ist, gelöst über unseren biederen, zeitweise beengenden, kleinbürgerlichen Horizont hinauszuschauen. Die ersten fünfzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu. Kleine Gassen, alte Türme und Tore, viel Wärme vermittelndes Fachwerk. Wir zwölf „Säulen der Tour“ versäumten es nicht durch die Arkaden ins Neckartal zu blicken und uns in dieser ehemals größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen wie Kaiser Barbarossa zu fühlen. Wimpfen war die größte Kaiserpfalz in Deutschland. Sie wurde 1182 gegründet, als Kaiser Barbarossa sich zum erstenmal hier aufhielt. Er kam dann öfter. Wimpfen war auch nach ihm eine Hofstadt, in der kaiserliche Herren auf ihren Regierungsreisen Halt machten - was die kleine Stadt jedesmal eine Riesenmenge Geld kostete. Denn Kaisers samt Gefolge waren Gäste im wahren Wortsinn. Knapp 70 Jahre lang hielten die Staufer dort Hof, bis ihr Geschlecht 1268 ausstarb. Danach wurde Bad Wimpfen freie Reichsstadt. Das wichtigste Ereignis aus der Stauferzeit, die Gefangennahme und Entmachtung König Heinrich VII. durch seinen Vater Kaiser Friedrich II., jährt sich in diesem Jahr zum 775. Mal. Dazu das von uns besuchte Bühnenschauspiel unter freiem Himmel („Heinrich VII., Rebell in Samt und Seide“), das im Juli insgesamt acht Mal aufgeführt wurde. Frau Schatz begrüßte uns als die Stuttgarter Fangemeinde zu Anfang des Stückes extra. Unsere Kaiserpfalz, zugleich das größte und nach Meinung aller beste Hotel, das wir in unserer Ausflugsreihe je besuchten, ist das Hotel am Rosengarten. Wie gestandene Residenzler fühlten wir uns: Hier hatten wir das Sagen, nicht - wie seinerzeit üblich - der Ortsadel. Der Schlaf ist für uns, was das Aufziehen für die Uhr. Wir sind aber auch ausgesprochene Naschkatzen. Nicht nur bei Besuch des Cafes Feyerabend. Bei unserem Pralinen- und Schokoladenseminaren in Gundelsheim erfuhren wir mehr über die süßen Köstlichkeiten und einmaligen Kreationen wie Balsamicoessigpraline. Widerstehen war zwecklos. Wir sind uns einig häufiger in die Natur und in mittelalterliche Städte zu fliehen und uns quasi in einen darüberliegenden, besseren Zustand zu begeben. Den Rahmen dafür bildet 2011 wohl die Stadt Nördlingen, wieder gespickt mit einer Reihe von Erlebnissen, satirischen Reflexionen, Aphorismen (Gedankensplitter) und nicht ernst gemeinten Stimmungsbildern. Wir erkennen wieder: Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt. FDP-Landtagsabgeordneter & Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg Ernst Pfister kreuzte im Hotel und in Gundelsheim ab und zu unsere Wege, seien Sie gegrüßt....






