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775 jähriges Stauferjubiläum in der Kaiserpfalz Bad Wimpfen

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Bad Wimpfen/Heidelberg/Mannheim - Die Staufer prägten wie keine andere Herrscherdynastie im 12. und 13. Jahrhundert die Geschichte des römisch-deutschen Reichs, Italiens und ganz Europas. Die heutige Kulturlandschaft wurde von ihnen entscheidend beeinflusst. Welche identitätsstiftende Wirkung von den Staufern ausgeht, ist unter anderem im baden-württembergischen Landeswappen mit den drei schreitenden Löwen ersichtlich. Anlässlich der Ausstellung der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, die die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen vom 19. September 2010 bis 20. Februar 2011 zeigen, feiert ganz Süddeutschland das Stauferjahr. Erstmalig präsentieren dabei drei Bundesländer gemeinsam eine große Geschichtsschau. Zahlreiche Stauferstädte bieten mit Fachvorträgen, Begleitausstellungen, Erlebnisführungen, Festen, Konzerten und lebendigen Mittelalter-Inszenierungen im Stauferjahr die Möglichkeit, eine Zeitreise zu machen. An manch Stauferstätten fallen auch die Stauferstelen auf, die über die geschichtlichen Ereignisse informieren (Näheres unter www.stauferstelen.com) und zum Verweilen einladen. Unter den über vierzig beteiligten, süddeutschen Städten punktet die Kaiserpfalz Bad Wimpfen als Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse. Die in Bad Wimpfen am 2. Juli 1235 stattgefundene staufische Familientragödie der Unterwerfung des Deutschen Königs Heinrich (VII.) durch seinen Vater, den großen Stauferkaiser Friedrich II. stellte einen Wendepunkt in der Geschichte der Staufer und in der Geschichte Europas dar. Dessen Nachwirkungen sind bis in unsere Tage zu spüren. Schon von weitem ist die prägnante Stadtsilhouette der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen zu sehen. Dem Besucher erschließt sich hier ein wahres Kleinod: Beim Bummel durch die kleinen Gässchen und Straßen fühlt man sich wie in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Vom Blauen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, eröffnet sich ein überwältigender Blick über die Altstadt und das Neckartal. Auf ihm wohnt die einzige Türmerin Deutschlands, Blanca Knodel, die die längste durchgehende Türmertradition begeistert weiterlebt. Jeden Sonntag von Ostern bis Erntedank erfüllen die Klänge der Turmbläser die historische Altstadt. Damen im historischen Gewand und Nachtwächter laden zu einer Entdeckungstour durch die engen Pflastersteingässchen vorbei am Türmen und Toren und den prachtvollen Stauferarkaden ein. Historische Gebäude wie z.B. das um 1200 erbaute Steinhaus mit dem Historischen Museum der Stadt, die Pfalzkapelle mit wertvollen Kirchenschätzen der Wimpfener Klöster und Kirchen oder das Alte Spital mit dem Reichsstädtischen Museum bieten einen eindrucksvollen Blick in die weitreichende Geschichte der Stadt, die von den Kelten, Römern und Staufern geprägt wurde. Das Gründungsdatum der Kaiserpfalz in Wimpfen am Berg, übrigens die größte nördlich der Alpen, wird gemeinhin mit dem Jahr 1182 gleichgesetzt, dem Jahr also, in dem Friedrich I. Barbarossa erstmalig urkundlich in Wimpfen nachweisbar ist. Doch die neuesten archäologischen Forschungen gehen von 1160-1170 aus. Derzeit mussten die Könige um Recht zu sprechen und überhaupt Präsenz zu zeigen von Pfalz zu Pfalz ziehen, da das mittelalterliche Reich noch keine Hauptstadt kannte. So war auch Wimpfen immer wieder Hofstadt, und es entwickelte sich eine höfische Lebensform mit Rittertum, Minnegesang und Falkenjagd. Jeder Besuch stellte für die Wimpfener Bevölkerung jedoch eine hohe wirtschaftliche Belastung dar. Kaiser Heinrich VI. war nachweislich dreimal in Bad Wimpfen, Friedrich II. sogar achtmal. Jedoch weilte von allen Stauern sein Sohn, der unglückliche König Heinrich VII. am häufigsten in der Stauferstadt. Mit seinem Vater war er zweimal hier: 1218, als er als Siebenjähriger und bereits gekrönter sizilianischer König aus dem italienischen Südreich nach Deutschland gebracht wurde und 1235, als der kaiserliche Vater den inzwischen aufrührerischen Sohn gefangen nahm. In der Pfalz zu Wimpfen fand die erste Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn statt, die mit einem Unterwerfungsangebot Heinrichs endete und in deren Folge Heinrich als Gefangener von seinem Vater nach Italien gebracht wurde und dort 1242 verstarb. Der Zusammenbruch der Stauferherrlichkeit mit dem Tod Friedrichs II. führte zur Auflösung des staufischen Besitzes und schließlich wurde Wimpfen Freie Reichsstadt. „Wo einst Kaiser und Könige Hof hielten“ ist eine öffentliche Stadtführung, bei der historisch Gewandete jedes Wochenende zu einer Entdeckungstour durch die größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen einladen und bei „Tür und Fenstergeschichten“ erzählen historische Figuren vom Leben im Mittelalter aus Türen und Fenstern der Altstadt. Hautnah erleben Kinder die Vergangenheit bei speziellen Kinderführungen. Bei „MISS W“- Mittelalterliche Spiele in der Stauferpfalz Bad Wimpfen oder dem Programm „Ritterleben im Roten Turm“ werden sie spielerisch an die Geschichte herangeführt und der Tag in Bad Wimpfen zum unvergesslichen Erlebnis. Mit dem Planwagen wird bei dem Tagesprogramm „Von der Kaiserpfalz ins Himmelreich“ die Umgebung entdeckt und auch „Burgen und Schlösser im Neckartal“ bereiten einen erlebnisreichen Betriebs- oder Vereinsausflug.

Die Pauschale „Staufische Burgenromantik“ inkludiert auch den Besuch der Flugvorführung auf der Stauferburg Guttenberg mit ihrer Greifenwarte. Spektakuläre Flugvorführungen von Eulen, Adlern und Geiern begeistern die Besucher und führen ein in die von Kaiser Friedrich II. geprägte Falknerei. Im Stauferjahr bietet die Deutsche Greifenwarte auf Burg Guttenberg interessante Neuerungen: als Reminiszenz an den Stauferkaiser Friedrich II. kommen in den Flugvorführungen auch Jagdfalken zum Einsatz. Parallel dazu zeigt das Burgmuseum seit April das von Friedrich II. verfasste Lehrbuch über Vogelkunde und Falkenjagd „De arte venandi cum avibus“ (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen) – eine Abschrift des staufischen Originals aus dem 18. Jahrhundert. Nach dem Vorbild arabischer Falkenbücher beruhen seine Ausführungen ganz auf der eigenen praktischen Erfahrung. Die Universitätsbibliothek Heidelberg präsentiert im Rahmen des Stauferjahres ihren wertvollsten Schatz, den Codex Manesse - die berühmteste deutsche Handschrift des Mittelalters - im Original. Die Ausstellung „Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe“ ist vom 26.10.2010 bis zum 20.02.2011 zu sehen. Auf insgesamt 137 kunstvoll ausgeführte Bild-Miniaturen stellt der Codex Manesse die Minnedichter der Stauferzeit bei höfischen Aktivitäten dar. Täglich, außer an Feiertagen, kann die kostbare Handschrift vom 26. Oktober 2010 bis zum 20. Februar 2011 zwischen 10.00 und 18.00 Uhr in der Universitätsbibliothek Heidelberg bewundert werden. Ab 19. September 2010 zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim den Höhepunkt des Stauferjahres, die Ausstellung „Die Staufer und Italien“. Seit über 30 Jahren hat es keine vergleichbare Präsentation zu den Staufern mehr gegeben. Mit bedeutenden, teilweise noch nie in Deutschland gezeigten originalen Kunstwerken werden die Kunst und Kultur zurzeit der Staufer und die Vernetzungen mit Italien vorgestellt. Drei Kernregionen der staufischen Herrschaft in Europa, der Rhein-Main-Neckar-Raum, Oberitalien und das ehemalige Königreich Sizilien in Süd­italien stehen dabei im Mittelpunkt. Die Ausstellung spürt der spannenden Frage nach, welche Innovationen für Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst und Kultur von diesen drei Regionen in gegenseitiger Beeinflussung, in Austausch- und Transfer­prozessen ausgingen.

Weitere Informationen unter www.staufer2010.de oder bei der Tourist-Information Bad Wimpfen & Gundelsheim Tel. 07063/97200.



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